Schadenskarte der Zerstörungen des Pfälzischen Erbfolgekriegs in den Jahren 1688 und 1689. Dunkelrot bedeutet totale Zerstörung (Großraum Mannheim-Heidelberg), Mittelrot bedeutet Teilzerstörung, Hellrot bedeutet vereinzelte Schäden.

Die Zerstörung von 1689

Im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges — der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. versuchte, seinen Anspruch auf die Kurzpfalz als Erbe militärisch durchzusetzen — zerstörten die französischen Truppen eine große Anzahl von Siedlungen, Burgen und Schlössern im südwestlichen Deutschland. Mit der großflächigen Zerstörung von Festungsbauten wollte Frankreich jede zukünftige militärische Bedrohung aus dem Reich erschweren.

Von der planmäßigen Zerstörung im April 1689 gibt es einen Augenzeugenbericht des Amtmannes Georg Friedrich von Wolframsdorf.

Bildquelle: P. Schmelzle


Bericht über die Zerstörung der Burg Kastellaun im Frühjahr 1689

Copie welcher Original bei den Alhiesigen Amts-Acten zu finden Nr. 485, betreffend die Demolierung der Stadt und des Schloßes Castelhun geschehen Anno 1689.

Gründlicher Betref adactum darüber Copie nach Trarbach zur Regierung geschickt worden, wie es mit der Demolierung der Stadt, Mauern, Thürmen der Stadt & Schloßes hingangen. Item von Verbrennung Schloß & Stadt allhie zu Castelhun.

Nachdem Bacharach, Oberwesel, Ehrenberg, Waldeck und Beistein gänzlich evacuiert wurden den letzten Februar 1689, sind den 1ten März durch Herrn Compte Deverant Marschall du Comp: seine schriftliche Ordre die Garnison von Oberwesel, 8 Companien zu Fuß von dem ersten Bataillion Danjon unter Commando Herrn Comte d'Hautefort anhero kommen über das, der Spital zu Oberwesel angestellt gewesen, Item 3 Companieen zu Pferd vom Regiment du Dauphin Estranger und die 2te Escadron vom Regiment de Dragons de Mons. le Dauphin, die zu Gemünden gelegen, den 2ten März, ferner den 10ten Ejusdem eine neue Companie Reuter von obigem Regiment mit welcher die Stadt 8 Companien zu Fuß, 8 Companien Dragoner, 4 Companien Reuter, das Spital und einige Minerer bis den 17ten April ein Logieret behalten, die Dragoner und Fuß-Volk bis den 20ten April, die Reuter bis den 25. justem in Naturalien und auch mit Geld verpflegen zu müssen.

Die Dragoner, die Reuter und alle Officiere wurden in der Stadt logiert, in 32 Häußer eine Companie und in 16 bis 20 Häußer die Officiere, alle das Fuß Volk auf dem Schloß mit dem Spital und 2 Companieen in Imigshaus beym Schloß. Herr Comte d'Hautefort, Commandant, sein Pferd 24 Stunden auf dem Schloß im großen Stall. Den 12ten März wurde der Anfang mit Minerieren gemacht und die erste Mine unter den großen Thurm in Dongon angelegt, drei Tage hernach eine zweyte unter Pforde da man in den Dongon geht, an der rechten Hand am ersten Schurken, die nach Marg. Hermanns Seel. Gemach geht, ferne die 3te im Vorhof, da man in den großen Keller geht, rechter Hand unter dem Pulfer Thurm, da des Dreyherren Beltheimer Gerichts Gefängniß inne ist, die 4te & 5te Mine wurde angelegt unter dem Schloß Thor da man aus der Stadt hinausgeht auf beiden Seiten, ein zur Linken am Herren Speiger, die andere zur Rechten nach des Pförtners Haus.

In währender Zeit wurde dem Amtmann befohlen, alle Mobilien auszuschaffen, war aber nirgends Raum noch Platz funden, da wo nur ein lediger Eck war, hat man sein Armuth hin zu Salvieren vermeint, aber es ist eine in die andere große Gefahr gerathen, indem alles durchsuchet und Spaliert worden, ohne was darzu durch das hin- und wiederschleppen verloren ging, zumal an Eßwaren, Früchte aber mußten liegen bleiben, davon alle noch gestohlen worden. Die Herrschaftlichen wurden auch einige Pastorei Früchten nach und nach verführt. Der Amtmann aber konnte vor Geld keine Fuhren haben, ... die Hälfte gestohlen, die Hafer ad 30 Malter den 24. April durch die Simmerische Garnison gar weggefaßt, wurden alle Bürger ihr Korn ad 200 Malter eignes und geflüchtetes andern Leut bei noch einliegender Garnison.

Auf dem Schloß hat man nicht unterlaßen, die Amts Registratur in die Kirch zu flüchten und in die Sacristey zu verschließen, ingleichen die Mobilien, die in den Gemächenr des Amtmannes gewesen. Übrige haben die Soldaten nicht aus folgen lassen wollen, wie Amtmanns vielfältige Berichten zu einer hochfürstlichen Regierung vom 1ten, 12ten, 17ten, 20ten, 31ten März und weiter bis den 17ten April weitläufiger ausweist. In der Stadt wurde nach Verfertigung der Schloß Mine etliche in der Stadt angelegt, als unter dem hohen Wachthurm auf der rechten Hand, wann man durch die fordere Pforte in die Stadt geht, ferner unter den Kreisgens Thrum auf der linken Hand nach der Eifel, Item unter den Burgerthrum und anderswo, aber unter beiden Thürmen welche beim Abzug abgebrand und abgebrochen wurden. Im April, den 12ten, wurden die Mauern Sappirt, das Dachwerk auf den Stadtmauern von den Soldaten abgebrochen, so weit und wo keine Häußer standen, die Sappen und Mauer abbrechen aber durch die Bauern im Amt.

Den 17ten April zog sämmtliche Garnison ab, der Tag zuvor wurde das Spital nach Montroyal, Item das Magazin von Pulver & Blei, Lunden, Granaten, kleine Stücklein item evacuirt aus dem großen Keller unt dorthin geführt. Das Fußvolk marschierte auf Gemünden und Mainz, Dragoner und Reuter nach Simmern, welche sich vor der Pfort auf dem Wasaem in 3 Escadronen stellten. War Samstag um 9 Uhr, um zehn wurde da Feuer unter den Sappen der Mauer durch commandirte Dragoner angezündet, beide Pforten angesteckt. Nach diesem die Mine in der Stadt unter dem hohen Wach Thrum angezündet, nach gehens unter dem Schloß und die zwo unter der ersten Pforten im hineingehen. Die ganze Pforte ungeschmißen und den ganzen Thurm, daß der schöne Herrschaftl Speiger auf der Seite mit allen seinen Böden aufgestellt wurden, auch ein großen Eck mitgenommen gewesen. Hat auch ein solcher starker Knall gethan, daß alle Fenstern in der Stadt beschädigt, von den Steinen auch viele Dächer berührt worden.

Um 12 Uhr marschierten die Truppen fort und wurde der Amtmann von Herrn Comte d'Hautefort gewiesen und anbefohlen, wie viel noch von Thürmen, Pforten und Mauern durch die Maurer abgebrochen werden müßten. So auch geschehen, sintemal zu Garnison den Tag zuvor, als den 16. April, von Mons de verans ein Leutnant, zwei Sergant, 1 Mienerier, 1 Tampour, 40 Musquetiere detaschiert hergeschickt wurden, die sich ins Schloß gelegt. Der Leutnant, Bell Bausch genannt, sich in des Amtmanns vordern Stube ein Logiert, inzwischen noch bei den Truppen vor der Pforte ocupiret geweßen, hat sich 8 Tag hernach in die Stadt logiert in Phillips Baeckers Seel. Hauß und Poßeßion ergriffen. Obgedachte Garnison aber hat sich im Donchon wieder angefangen zu befestigen, die Brücke anzuwerfen, die große Keller Thür und oberste Pforte barecadieren, die Demantitirte Mauer mit einer von Trocken Mauer Brustwehr auszubessern, im Vorhof, was noch vor dem Pferd Haus, Großen Schopf Schmittgen gestanden, ganz wegzubrennen. Nachgehens durch die Bauern die Canzlei im Gebäu auf der rechten Hand im Vorhof zwischen dem Herren Speiger und der Schloß Cappel im Dongon abbrennen laßen. Nach diesem den Herren Speiger ganz im Vorhof Sappieren und so stark, daß auf den 25ten April nachmittags um 1 Uhr ein Drittel vom Speiger von selbsten einfiel nach dem Thore zu. Dabei Gott nicht genugsam zu danken, das es geschehen ohne Verletzung einiges Menschens, weil viel Bauern noch im Sappieren begriffen waren. Noch einen größern Unglück aber hat Gott damal gesteuert und der große Fleiß der Bürgerschaft, indem Samstag, den 30ten April, nachmittags um 3 Uhr ohne erwardener Dinge der Schloß Speiger angesteckt worden, welche Feyersbrunst so stark war, daß das Feuer in die Stadt geflogen mehr als 12 Häußer Feuer und Flammen gewesen. Damal Gott geholfen, daß die Stadt errettet wurde. Gleich darauf mußten auch die Mauern des Speichers von den Bauern heruntergerißen werden, bis sie ohne Defension gewesen. Im Schloß Gebau aber all die Gewölbe vom Obersten bis Untersten Stockwerken durchgeschlagen. Fenster, Eisen, Bley, Getäfel und ander Gehölz pp., was nur Geld hat gelden wollen, ist durch die Garnison und die Minir hin und wieder in die Stadt und an Bauern verkauft worden. Allein seither den 20. April der Amtmann nicht viel zu Castelhun bis zur Abbrennuön des Schloßes geblieben, sondern zu Trarbach bei nach 10 Täg. Bei der Winterquartier Rechnung und durch sonst hin und wieder Reisen die Zeit über, als die letzte Garnison dagewesen den Tag der gänzlichen Evacuierung des Schloßes, da frühe morgens um 3 Uhr so vor den 14ten Mai ein Detachment zu Pferde von Dragonern und Reuter, 3 Escadron sich der Stadt annaheten, in die sogenannten Beunen stellten, die Garnison abzog und deren Ausmarsch die Mine unter dem großen Thurme im Dogont angezündet. Nachdem diese ihre Effect wohlgetan, ist das Gebäude unten und Oben und in allen 4 Ecken mit Stroh und Holz angesteckt worden, und nachdem alles in vollem Brand gestanden, alle Truppen um 8 Uhr zurück nach Simmern gekehrt.
(...)
Georg Friedrich von Wolframsdorf, deutscher Orden Creutz Ritter und der Zeit gewesener Amtmann

Zitiert nach: Gustav Schellack, Geschichte der Burg, des Schlosses und der Herrschaft nach dem Erlöschen der Sponheimer Linie, in: Das Wahrzeichen Kastellauns - Seine Burg (Kastellaun in der Geschichte, Bd. 3), Dommershausen/Kastellaun 1994

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